Element: Die Material-Detektive – Wo Sicherheit durch Zerstörung (und Fingerspitzengefühl) entsteht
„Wir haben einen tollen Job: Wir werden dafür bezahlt, Sachen kaputt zu machen.“ Wenn Maik Zellmann diesen Satz sagt, schwingt eine gehörige Portion Leidenschaft mit. Doch was martialisch klingt, ist in Wahrheit Hochpräzisionsarbeit im Dienste der Sicherheit. Seit 20 Jahren ist der heutige Laborleiter am Standort im TEMPOWERK verwurzelt. Ein Blick hinter die Kulissen von Element Materials Technology, wo Metall wortwörtlich auf Herz und Nieren geprüft wird.
Eine Reise durch die Jahrzehnte: Von Harburg in die Welt
Die Geschichte des Standorts ist eine Geschichte von Wachstum und Wandel. Maik Zellmann startete hier bereits im Jahr 2006, als das Labor noch unter der Flagge des Germanischen Lloyd (GL) auf der „grünen Wiese“ mit nur vier Mitarbeitern begann. Der Germanische Lloyd agierte damals als Klassifikationsgesellschaft – quasi der „TÜV für die Schifffahrt“.
Durch verschiedene Fusionen wurde der Standort schließlich Teil der weltweit tätigen Element-Gruppe. Dieser globale Player umfasst heute über 200 Standorte, wobei der größte Teil in den USA und Europa angesiedelt ist. In Hamburg-Harburg hat sich das Team seither auf die Werkstoffprüfung metallischer Werkstoffe spezialisiert und ist auf mittlerweile 17 Mitarbeiter in der Prüfung angewachsen.
Das Kernbusiness: Zwischen Zerstörung und Fingerspitzengefühl
Wenn Maik Zellmann von seinem Alltag erzählt, erinnert das oft an Kriminaltechnik. „Manchmal nennen wir uns CSI-Werkstoffe“, erklärt er. Das Labor deckt dabei die gesamte Bandbreite der Routine-Werkstoffprüfung, Schadensuntersuchung und Schweißverfahrensprüfung ab. Um höchste Präzision zu garantieren, ist das Labor von der DAkkS akkreditiert – ein Qualitätssiegel, das rechtssichere Prozesse und verlässliche Ergebnisse sicherstellt.

Die zerstörende Prüfung: Belastung bis zum Bruch
Der Zugversuch: Hierbei wird eine Materialprobe in eine Maschine eingespannt und so lange gedehnt, bis sie reißt. Dabei werden alle relevanten Kennwerte bestimmt, z.B. welche Kraft das Bauteil aushält. Zur Veranschaulichung: Eine Schraube von nur 6 mm Durchmesser könnte theoretisch ein ganzes Auto ziehen.
Der Kerbschlagbiegeversuch: Dieses Verfahren testet die Zähigkeit eines Materials. Ähnlich wie eine Axt beim Baumfällen eine Kerbe schlägt, wird hier ein Probestück zunächst mit einer Kerbe versehen und dann mit Wucht zerschlagen. Dies geschieht oft bei extremen Temperaturen von -20°C bis zu -196 °C, um sicherzustellen, dass z.B. Stahlbrücken auch im härtesten Winter nicht spröde brechen.
Die zerstörungsfreie Prüfung: Erhalt wertvoller Bauteile
Trotz des Mottos „Sachen kaputt machen“ betont Maik Zellmann eine wichtige Nuance: „Wenn wir beim Kunden vor Ort prüfen, zerstören wir in der Regel nichts – das wäre oft gar nicht sinnvoll. Die Bauteile werden meist noch gebraucht“.
Einsatz vor Ort: Für Kunden ist es oft wirtschaftlich sinnvoller, wenn mit zerstörungsfreien Verfahren gearbeitet wird – etwa wenn Bauteile bereits fest verbaut sind.
Verfahren: Hier kommen Techniken wie Ultraschall, Farbeindringverfahren, Replicatechnik oder mobile chemische Analysen zum Einsatz. So kann die Zusammensetzung von Stahl (Kohlenstoff, Chrom, Nickel etc.) direkt am Objekt ermittelt werden, ohne es zu beschädigen.
Wenn Verantwortung greifbar wird: Vom OP-Saal bis zum Gipfelsturm
Die Arbeit im TEMPOWERK findet oft im Mikrobereich statt, doch die Auswirkungen sind riesig. Besondersdeutlich wird dies in der Medizintechnik. Maik Zellmann berichtet von kleinsten Hohlbohrern, die bei komplizierten Operationen eingesetzt werden. Die Anforderung an das Team war so ungewöhnlich wie lebenswichtig: Die Bohrer mussten so geprüft werden, dass sie – falls sie bei der OP unter extremer Last brechen sollten – exakt in zwei Teile zerfallen. „Ein Arzt muss sicher sein, dass er im Notfall nur zwei große Stücke entnehmen muss und keine winzigen Splitter im Körper des Patienten suchen muss“, erklärt Herr Zellmann. Das gibt nicht nur den Medizinern Sicherheit, sondern auch den Patienten – ein Kollege von Herrn Zellmann, der kurz nach diesen Tests selbst eine Hüft-OP hatte, konnte den Eingriff mit einem deutlich beruhigteren Gefühl antreten.
Dass die Sorgfalt des Harburger Teams Menschen buchstäblich „hält“, zeigt eine Geschichte, die Maik Zellmann besonders gern erzählt. Ein Kollege war im Sommer in den Alpen wandern. Als er den Gipfel erreichte und sich am Gipfelkreuz festhielt, traute er seinen Augen kaum: Die stählernen Drahtseile, die das Kreuz sicherten, waren mit Schrauben im Beton verankert, die einen ganz speziellen Stempel trugen – den Prüfstempel des Element Teams. Tausend Meter über dem Meeresspiegel wurde die tägliche Arbeit im Labor plötzlich greifbar: „Man sieht, dass unsere Arbeit einen echten Sinn hat. Wenn dieses Material hält, dann wissen wir, dass wir unseren Job gut gemacht haben“
Warum das TEMPOWERK der richtige Ort ist

Dass das Unternehmen seit zwei Jahrzehnten im TEMPOWERK ansässig ist, liegt nicht nur an den Räumen, sondern am Miteinander. „Das TEMPOWERK passt einfach zu uns“, sagt Herr Zellmann. Er schätzt besonders die kurzen Wege und das technologische Umfeld:
Vermieter als Nachbar: Ein entscheidender Vorteil ist die Präsenz des TEMPOWERK Teams direkt vor Ort. Wenn es um bauliche Anpassungen oder schnelle Hilfe geht, gibt es keine anonymen Hotlines. „Man kennt sich, man hilft sich – unkompliziert und direkt.“
Flexibilität und Umbau: Als das Labor wuchs und ein neuer Maschinenpark angeschafft wurde, bot das Gebäude die nötige Flexibilität. Ein ehemaliger großer Lagerraum im ersten Stock wurde kurzerhand in moderne Prüfräume umgebaut – eine Lösung, die gut durch die enge Abstimmung vor Ort möglich war.
Synergien im Park: Die räumliche Nähe zu anderen Spezialisten schafft echten Mehrwert. So entstand mit der Firma Splu ein „Rundumsorglos-Paket“ für Kunden: Element analysierte das Material alter Bauteile, während Splu die präzisen Abmessungen (Dimensionsmessungen) lieferte. So konnten technische Zeichnungen für Ersatzteile erstellt werden, für die es keine Originalpläne mehr gab. Auch mit Treo gibt es einen wertvollen Austausch. Da Treo auf Umweltsimulationen und EMV-Tests spezialisiert ist, ergänzen sich die Kompetenzen perfekt – so können Kunden im Park ganzheitlich bedient werden, wenn es um die Zulassung neuer Produkte geht.
Fazit
Element im TEMPOWERK zeigt, wie moderne Prüftechnik funktioniert: technisch präzise, aber auch partnerschaftlich und lösungsorientiert. Es ist der Ort, an dem Material seine Maske fallen lassen muss – damit wir uns im Alltag auf Brücken, in Zügen und sogar im OP-Saal sicher fühlen können.