Tempo-Story: Umbau des Tempo zum E-Fahrzeug

Tempo-Story

EIN TRAUM IN ROT – MIT TEMPO IN DIE ZUKUNFT

Im Tempowerk entstehen heute die Ideen für morgen. Bestes Beispiel: unser roter Tempowagen im Showcontainer vor der Zentrale. Das Dreiradauto ist ein weltweit einmaliges Projekt. Denn unter der Haube des historischen Fahrzeugs verrichtet nicht mehr ein knatternder Zweitakter seine Arbeit, sondern ein flüsternder E-Motor. Aus Geschichte wird Zukunft! Das Dreirad-Auto ist das rollende Symbol für das neue Tempowerk. Eine Symbiose aus Innnovation, Zukunft und Kollaboration.

Das historische Fahrzeug, gebaut und zurückgekehrt in das Tempowerk, wurde 2020 zusammen mit der Firma E-Cap Mobiliy elektrifiziert. Es transportiert perfekt unsere Geschichte „Von der Industrie zur Technologie“ – und wird schon bald regelmäßig auf Tour gehen und die Stadt von Hamburgs Süden bereichern.

Sonnenschein auf der Jungfernfahrt: leicht gedrosselt schafft der Tempo 55 km/h

100 Jahre Tempowerkring

Von der Industrie zur Technologie – aus Räng-Täng-Täng wird Ssssssstt....

Das optische Ergebnis bringt nicht nur Oldtimerfans zum Schwärmen. Der knallrote Tempo-Wagen, für den ab sofort ein Platz in einer Showgarage vor Tempowerkring 6 reserviert ist, ist ein spektakuläres Unikat. Denn der Dreiradwagen, 1951 in Harburg gebaut, 2015 von einem Oldtimerliebhaber in den Niederlanden restauriert, hat dieser Tage noch eine weitere Metamorphose erfahren. Unter der Motorhaube schnurrt ein Antriebsaggregat, das kein anderes der weltweit noch fahrenden Zweitakter besitzt: ein Elektromotor. Dieser wurde dem Fahrzeug in den vergangenen Monaten bei der Firma E-Cap in Winsen, einem Spezialisten für den Umbau historischer Fahrzeuge zu Elektroautos, eingebaut. Und so könnte das Auto jetzt eigentlich mit zwei Kennzeichen auf die Straße: dem „H“ für historisch und dem „E“ für elektrisch – eine perfekte Symbiose aus Tradition und Technik.

Genau so ist es gedacht.

Der rote Tempo-Wagen ist für das Tempowerk ab sofort das rollende Symbol für Innovation, Zukunft und Kollaboration. Bis 1955 wurden auf dem Gelände der historischen Tempo-Werke rund 110.000 Dreiradwagen gebaut. Sie galten als Wunderwerk der Technik und wichtigstes Hilfsmittel beim Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf den Pritschen der dreirädrigen Kleinlaster karrten die Deutschen den Schutt der Kriegsjahre weg und bauten ersten Wohlstand wieder auf. Besonders die Einfachheit des Lastesels aus Harburg überzeugte und machte ihn zum meistverkauften Kleinlaster der Welt.

"Der E-Tempo ist ein Symbol des Wandels"

In dem historischen Tempo-Wagen des Tempowerk wurde nun allerdings das berühmte knatternde Räng-Täng-Täng der stoischen Zweitakter durch einen schnurrenden E-Motor ersetzt – die Fahrzeugtechnik der Gegenwart und Zukunft. „Der E-Tempo ist ein Symbol des Wandels von der Industrie zur Technologie“, sagt Christoph Birkel, Geschäftsführer des Tempowerks. „Wo früher der Wiederaufbau des Landes in die Hand genommen wurde, gestalten wir heute die Zukunft, fördern Innovationen und unterstützen Wachstum durch Ideen. Man kann sagen: Mit Tempo in die Zukunft.“

"Ja", sagt Mark Behr, Innovationsmanager des Tempowerk, "natürlich sei der E-Tempo neben dem Spaß an einem solchen Auto auch ein Marketinginstrument für die Mission des Technologieparks." Behr: „Wir sind eine Gemeinschaft technologie-begeisterter Menschen, die sich gegenseitig unterstützen und fördern. Wir leben Technologie.“ Der E-Tempo passt perfekt zu dieser Philosophie.

Idee aus dem Brainstorming: Wie wäre es denn, wenn...?

Entstanden ist die Idee Anfang des Jahres in einem Brainstorming und mit dem typischen Satz: Wie wäre es denn, wenn ...? Wie wäre es also, wenn man einen historischen Tempo mit der modernen Technologie eines E-Autos ausstatten würde?

Zunächst einmal musste ein geeignetes Fahrzeug gefunden werden, denn der blaue Tempo-Wagen, der bislang vor dem Haupteingang am Tempowerkring 6 stand, war nicht mehr zu restaurieren. Er wird in seine Einzelteile zerlegt, die künftig als Deko-Elemente im neuen Veranstaltungszentrum verwendet werden. Wo also gab es einen Tempo, der Wünschen und Ansprüchen genügte? Der in einem guten Zustand war, und bei dem der Preis stimmte?

Der Tempo: Aus den Niederlanden in den Tempowerkring

Die Lösung fand sich in dem kleinen Ort Mill in den Niederlanden. Also besorgte sich Innovationsmanager Behr einen Spezialanhänger – und holte den Dreiradkleinlaster persönlich ab; den ausgehandelten Preis in Bargeld in der Tasche. Dann wurde der Tempo aufgeladen und direkt nach Winsen transportiert, wo er zum modernen E-Auto verwandelt wurde. Dazu gehört auch der Aufbau auf der Ladefläche: Dort befindet sich eine blinkende, dem „Flux-Kompensator“ aus der Filmtrilogie „Zurück in die Zukunft“ nachempfundene Installation, an der man – unter anderem – den Ladezustand des E-Motors ablesen kann. Der E-Tempo soll künftig das Stadtbild von Harburg mitbestimmen, viel unterwegs sein und an markanten Punkten der Stadt für das Tempowerk werben. Nach getaner Arbeit wird er dann in seine gläserne Garage rollen und kann dort bewundert werden – fast 70 Jahre nach seinem Bau an gleicher Stelle.

Eine Erfolgsgeschichte auf drei Rädern

Tempo-Story: Das historische Tempo-Werk
1928

Ein Gesetz erlaubt, dass Fahrzeuge mit weniger als vier Rädern und 200 Kubikzentimetern Hubraum weder steuer- noch führerscheinpflichtig sind. Der Boom beginnt!

1955

Die Konkurrenz wächst, doch mit dem Partner Rheinstahl erblüht das Geschäft wieder. Nur der „Hanseat“ ist nicht mehr in. 1955 verlässt der letzte das Werk.

1971

Mercedes-Benz übernimmt das Werk und baut dort bis 1978 Tempo-Wagen. Dann wird die Produktion geschlossen. Die Daimler-Benz AG sitzt heute ein paar Straßenzüge weiter.

1990

Wolfram Birkel beteiligt sich an Unternehmen, erwirbt alte oder baut neue Gebäude und nennt sie hit-Technoprk. Ein Tempowagen verkörpert die Tradition des Ortes.

1945

Der Motor des Wirtschaftswunders läuft: Mit dem Kleinlaster wird der Schutt des 2. Weltkriegs abtransportiert. Manchmal geht es auch nur am Wochenende an den See.

1965

Rheinstahl übernimmt von seinem Partner auch die restlichen Anteile an der Fabrik; Vidal & Sohn konzentrieren sich fortan auf Verkauf und Wartung von Fahrzeugen.

1985

Professoren der TUHH gründen zusammen mit der Stadt Hamburg auf dem früheren Gelände des Tempowerkes das „Hamburger Institut für Technologieförderung (HIT).

2020

Anfang des Jahres erwirbt der hit-Technopark einen weiteren historischen Tempowagen und baut ihn zum Elektromobil um – eine Reise zurück in die Zukunft beginnt.